Vierter Spieltag am 7.12.25 :
Brett 1 Dietmar Hill
Brett 2 Gerfried Scholz
Brett 3 Marlon Maenz
Brett 4 Gereon Kalkuhl
Brett 5 Michael Krake
Brett 6 Rudolfo Madaus
Erwartungsgemäß haben wir verloren . Von uns aus gesehen waren doch alle Bretter der Gegner mit stärkeren Spielern besetzt. Besondres auffällig war dies an Brett 6 : Debütant Rudolfo mit zur Zeit knapp 900 DWZ musste gegen Georg Hoffmann mit 1948 DWZ antreten. Wer eine schnelle Niederlage erwartet hatte, sah sich getäuscht. Zwei Stunden leistete Rudolfo erheblichen Widerstand! Eine starke Leistung, die ihn für weitere Einsätze in der Dritten empfiehlt !!

Wir gingen trotzdem nicht punktlos nach Hause:
Ein Remis erreichte Michael, der in dieser Saison sehr zuverlässig immer wieder Punkte für die Mannschaft holt.
Gerfried, war in dieser Saison, im Gegensatz zur Letzten , bisher erfolglos , nun erreichte er einen Sieg gegen den 250 DWZ Punkte stärkeren Gegner.
Marlon spielte wieder die längste Partie , wie üblich mit jeweils einen Springer und der gleichen Anzahl Bauern auf dem Brett. Oft hat er daraus noch wichtige Punkte gezaubert! Dieses Mal ging die Partie leider durch eine Unkonzentriertheit verloren.
Auch Dietmar und Gereon leisteten einen nicht unerheblichen Widerstand, verloren aber.
So fuhren wir mit nur 1,5 Brettpunkten nach Hause . Damit rutschten wir auf den 6. Tabellenplatz ab.
Unsere neue Interviewreihe mit den Spielern der 3. Mannschaft:
Im Gespräch mit Dietmar Hill

Schach, Verantwortung und Vereinsleben
Dietmar Hill ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Schachgemeinschaft Ennepe-Ruhr – Süd. Als zweiter Vorsitzender engagiert er sich besonders in der Jugendarbeit, im Jugendschutz und im Schulschach. Auch im Ruhestand ist er weiterhin aktiver Spieler – derzeit sogar an Brett eins der dritten Mannschaft, wo regelmäßig starke Gegner warten.
Ich habe Dietmar gebeten, in Ruhe über seinen schachlichen Weg, seine Motivation und Gedanken zur Zukunft unseres Vereins zu sprechen.
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Dietmar, wie bist Du ursprünglich zum Schach gekommen?
Dietmar Hill:
Wie bei vielen neugierigen Kindern, waren bei mir meine Eltern und Großeltern wie auch mein älterer Bruder Schuld an meiner entstandenen Neugier.
Zunächst hat mein Vater in seiner fürsorglichen Art und Weise mir die Grundzüge des Schachspiels erklärt und zugleich mir die Aussicht vermittelt, dass man mit viel Nachdenken und Fantasie das Spiel selbst zum Gewinn steuern könne. Er brachte mir zunächst die ersten einfachen Gangarten der Figuren bei und im Laufe der Zeit taktische und strategische Zugfolgen. Für mich als Kind im Vorschulalter war es öfter zu kompliziert, die Zugfolgen zu verstehen. Aber mein Vater hatte Geduld mit mir und so entwickelte sich mein Interesse an dem Schachspiel.
Obwohl ich anfänglich keine Partie gegen meinen Vater gewinnen konnte, war mein Wunsch, ihn doch einmal zu bezwingen, sehr ausgeprägt. Dies gelang mir dann, als ich mit meinem Großvater einige Partien spielte und auch nach anfänglichen Problemen öfter als Sieger hervorging. Diese Siege waren jedoch nicht immer vorausgeplant, sondern öfters Zufallssiege, die durch Eroberung von Figurenmaterial entstanden sind. Die Folge daraus war, dass mein Großvater kaum noch mit mir Schach spielen wollte.
So verlagerte sich mein Schachtraining wieder zu meinem Vater, mit dem ich auch als Vorschulkind die für mich gewonnenen Partien nachbesprochen habe. Da mein Vater seltener eine Partie gegen mich gewann, erstaunte ihn dies sehr, und er meinte, ich könnte mir mal einen stärkeren Spieler suchen.
So blieb mir nur noch mein älterer Bruder übrig, der schon damals in einem Schachverein aktiv war. Aber auch gegen ihn gab es damals fast nur Niederlagen. Mein Bruder förderte mein Interesse, indem er mir anbot, mich einmal zum Schachverein mitzunehmen, wenn ich meine damalige Spielweise etwas verfeinern würde. Mein Bruder trainierte mich in der Weise, dass er mich vom Räuberschach zum planmäßigen Schachspiel anleitete.
Diese Entwicklung dauerte jedoch noch viele lange Monate, bis mein Bruder mich zum damaligen Schwelmer Schachverein (Kölner Str., Gaststätte Ellinghaus) mitnahm und ich mit stärkeren Spielern trainieren konnte. Das Ergebnis war, ich wurde in die damalige Jugendmannschaft aufgenommen.
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Gab es Menschen, die Deine schachliche Entwicklung besonders geprägt haben?
Dietmar Hill:
An meiner schachlichen Entwicklung haben mich vorrangig mein Vater, mein Großvater, mein älterer Bruder Jürgen, die älteren Schachspieler des SV Schwelm, insbesondere die damaligen aktiven Spieler und einige Vereinsjugendspieler geprägt. Die Liste meiner Förderer ist sicherlich sehr lang und würde den Umfang dieses Interviews sprengen.
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Wie hat sich Deine Spielweise im Laufe der Jahre verändert?
Dietmar Hill:
Meine Spielweise hat sich im Laufe der Zeit wesentlich geändert. Als Jugendspieler habe ich mit mangelhaften theoretischen Kenntnissen fast nur als Angriffsspieler agiert, was manchmal erfolgreich, jedoch häufig in einer Katastrophe endete.
Unkontrolliertes Angriffsspiel endete öfters in einer Niederlage – trotz besserer Stellung – zum Leidwesen meiner Mannschaftskollegen. Im fortgeschrittenen Alter ist meine Spielweise wesentlich ruhiger und abwartender geworden. Meine theoretischen Kenntnisse haben sich ein klein wenig verbessert, sodass ich die einzelnen Spielphasen besser überstehen kann.
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Gibt es Partien oder Turniere, die Dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Dietmar Hill:
Über einzelne wichtige Partien kann ich wenig berichten. Zu Turnieren ist mir der Gewinn der Südwestfalenmeisterschaft für Jugendmannschaften in Erinnerung geblieben, in der die Schwelmer Jugendmannschaft den 1. Platz erreichte. In dieser Mannschaft war ich am letzten Brett erfolgreich beteiligt.
Diese Zeit war für mich besonders prägend, da es wohl meine erfolgreichste Zeit war und ich die Wichtigkeit einer guten Vereinsjugendbetreuung miterleben durfte. In diesem Zusammenhang möchte ich neben vielen anderen Akteuren den damaligen 1. Vorsitzenden Herrn Niederhöfer hervorheben. Herr Niederhöfer hat uns damals zu den einzelnen Mannschaftskämpfen regelmäßig quer durch das Sauerland gefahren und hat es sich nicht nehmen lassen, die örtliche Betreuung zu organisieren.
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Du spielst aktuell an Brett eins der dritten Mannschaft. Was motiviert Dich dazu?
Dietmar Hill:
Diese Frage stelle ich mir auch jedes Mal. Eine Motivation kann ich bei mir nur in der Tatsache erkennen, dass meine Gegner durchweg stärkere Spieler sind und ich erkennen muss, was ich im Laufe meiner aktiven Spielerjahre nicht gelernt habe, mir mehr theoretische Kenntnisse anzueignen.
Es tut mir leid, dass meine Spielweise nicht den erforderlichen Erfolg zeigt und die Mannschaft mehr Niederlagen einsammelt als Gewinne.
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Wie gehst Du mit Drucksituationen um?
Dietmar Hill:
Mit Drucksituationen kann ich gut umgehen, dies habe ich im Laufe meiner Lebensjahre lernen müssen. Wie zuvor schon angedeutet, versuche ich immer, meine innere Ruhe auf meine Spielweise zu übertragen.
Das Ergebnis ist jedoch meistens nicht erfreulich, aber ich sehe, dass es einigen meiner Mitspieler gelegentlich schlechter ergeht. Für mich zählt hauptsächlich, so gut wie möglich zu spielen, um vielleicht einmal erfolgreich zu sein.
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Was bedeutet Dir die Jugendarbeit und das Schulschach?
Dietmar Hill:
Mein Engagement in der Jugendarbeit und im Schulschach rührt mitunter auch aus meiner früheren beruflichen Arbeit her, wo ich die gescheiterten, auch jugendlichen Existenzen tagtäglich erfahren habe und aus dem Stand Wege finden musste, die eine Veränderung hätten bewirken können.
In dieser Zeit habe ich den Jugendlichen wie auch den Erwachsenen das Schachspielen nahegebracht. Im Umgang mit dieser Klientel war es etwas einfacher, sie auf zukünftige Zielsetzungen aufmerksam zu machen.
Mit der heutigen AG-Jugend ist es schön zu beobachten, wie sie ihre Persönlichkeit und ihre Neugier auf etwas Neues entwickeln und äußern. Der Spieltrieb ist in ihrem Alter noch sehr ausgeprägt, jedoch sind Ansätze eigener Fantasie und Ideen deutlich erkennbar. Sehr erfreulich ist zu sehen, dass erlernte Schachregeln zielsicher umgesetzt werden – auch vor dem Hintergrund, dass im Rahmen der Schach-AG keine zukünftigen Großmeister herangezogen werden können.
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Welche Entwicklung siehst Du bei Jugendlichen, die länger im Verein bleiben?
Dietmar Hill:
Als sehr positiv sehe ich bei einigen Jugendspielern einen ausgeprägten Ehrgeiz, sich fortzuentwickeln und möglichst zeitnah Turniererfahrungen zu sammeln. Eine Scheu, zunächst herbe Verluste zu erleiden, ist kaum vorhanden.
Ich bin mir sicher, dass ein häufiger Einsatz in den Seniorenmannschaften ihre Spielstärke im Laufe der Zeit erheblich steigern wird und sie sich für unseren Verein zu wertvollen Leistungsträgern entwickeln könnten.
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Was können erfahrene Vereinsmitglieder für die Jugend tun?
Dietmar Hill:
Die erwachsenen Vereinsspieler können sich beispielsweise am Jugendtraining beteiligen oder zumindest ihr Interesse am Training zeigen. Die derzeitigen Trainer machen eine sehr gute und effektive Trainingsarbeit, jedoch könnten durch die eine oder andere individuelle Schachpartie die theoretischen Kenntnisse vertieft werden.
Erwachsene Mannschaftsspieler könnten hiermit einen erheblichen Beitrag zu einer erfolgreichen Jugendarbeit leisten.
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Du hast dich intensiv mit dem Thema Jugendschutz beschäftigt – warum ist das so wichtig?
Dietmar Hill:
Das Thema Jugendschutz (interpersonelle Gewalt in Sportvereinen etc.) ergibt sich aus der Notwendigkeit der geplanten Vorgaben übergeordneter Verbandsinstitutionen im Sportbereich. Aufgrund der bekanntgewordenen schrecklichen Missbräuche in der Vergangenheit ist Jugendschutz wichtiger denn je.
Mit unserem entwickelten und in unserer Satzung aufgenommenen Schutzkonzept haben wir weiterhin die Möglichkeit, von den Verbänden für unsere Jugendarbeit Zuschüsse zu erhalten, die uns sonst verwehrt wären. Viel wichtiger ist jedoch, dass wir strukturell die Sicherheit haben, dass unsere Ansprechpersonen im Verein in Krisenfällen bei den uns anvertrauten Jugendlichen sachlich und fachlich Unterstützung zur Krisenbewältigung leisten können.
Unser Verein ist zwar in der glücklichen Lage, dass Krisenfälle bisher nicht vorgekommen sind, jedoch könnte sich dies jederzeit ändern.
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Was verstehst Du unter einem lebendigen Schachverein?
Dietmar Hill:
Ein lebendiger Verein bedeutet für mich reges Vereinsleben, das heißt abwechslungsreiche Turniere, gemeinsame Turnierteilnahmen an externen Veranstaltungen, Ideen für außergewöhnliche Veranstaltungen (Vereinsfest), Trainingsprogramme für alle Vereinsmitglieder – gestaffelt nach Spielstärke –, einen angemessenen und festlicheren Rahmen für Siegerehrungen und allgemeine Ehrungen.
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Und zum Schluss: Wie blickst Du in die Zukunft der SG Ennepe-Ruhr Süd?
Dietmar Hill:
Für die Zukunft wünsche ich mir für den Verein eine erfolgreiche Vereinsarbeit, die das Interesse der Mitglieder am Verein stärkt und zur aktiven Mitarbeit anspornt. Mit Sorge sehe ich, dass etliche Vereinsmitglieder nicht mehr bzw. nur selten unsere Vereinsabende aufsuchen und somit das Vereinsleben sehr geschwächt wird.
Die derzeit aktiven Vereinsmitglieder könnten sich überlegen, ob wir unser Vereinsleben mit zusätzlichen außerordentlichen Veranstaltungen verstärken – etwa Thematurniere, Wandertage, Besichtigungsfahrten, Vereinsfeste mit Familienangehörigen oder Trainingsveranstaltungen mit externen Trainern.
Sofern die Vereinsaktivitäten nicht verstärkt werden, wird unser Verein in ferner Zukunft nicht mehr existent sein. Für mich persönlich wäre das ein herber Verlust. Ich hoffe, dass ich mit meinen negativen Vorstellungen falsch liege und unser Verein tatkräftige Mitglieder findet, die den Absturz verhindern werden. Nur gemeinsam können wir es zu einem erfolgreichen Verein schaffen.
Lieber Dietmar vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten , danke für Deine Offenheit und Dein langjähriges Engagement für unseren Verein. Deine Worte zeigen Sorge – aber vor allem Verantwortung.
Auch wenn Du eher kritisch in die Zukunft blickst, möchte ich zum Abschluss sagen: Wir haben engagierte Menschen, funktionierende Jugendarbeit und viele Ideen. Wenn wir Deinen Appell ernst nehmen und wieder mehr gemeinsam gestalten, dann bin ich überzeugt, dass die SG Ennepe-Ruhr Süd auch in Zukunft ein lebendiger Schachverein bleibt. In diesem Sinne wünsche ich Dir und allen Mitgliedern ein erfolgreiches Schachjahr im Jahr 2026 !
Gerfried